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© Karl-Heinz Tetzlaff

Sicherheitsrelevante Eigenschaften

Wasserstoff ist leichter als Luft und “knallt”. Weiteres Detailwissen ist in der Bevölkerung kaum vorhanden. Auf Wissenslücken reagieren wir, genetisch bedingt, mit Ablehnung und Ängsten. Um des Fortbestandes der Menschheit willen, ist es heute aber angebracht, sich mit den Eigenschaften von Wasserstoff vertraut zu machen. Hier soll kein physikalischer Datensalat aufgetischt werden, sondern nur die sicherheitsrelevanten Eigenschaften beim Umgang mit Wasserstoff dargestellt und Ängste durch Füllen von Wissenslücken abgebaut werden.

Beim Wort “Wasserstoff” fällt den meisten Leuten die Katastrophe des Luftschiffes “Hindenburg” in Lakehurst aus dem Jahre 1937 ein. Ursächlich war aber nicht der Wasserstoff. Die Katastrophe wäre mit einer unbrennbaren Heliumfüllung nicht anders abgelaufen. Ursächlich war vielmehr der Anstrich der Außenhaut. Mit den in diesem Anstrich enthaltenen Komponenten, baut man heute Feststoffraketen. Kein Wunder, dass die Außenhaut wie Zunder gebrannt hat. Da ein deutsches High-Tech-Produkt zu dieser Zeit aber keinen Konstruktionsfehler haben durfte, haben die Nazis kurzerhand den Amerikanern die Schuld gegeben, weil diese kein Helium liefern wollten. Eine Nazilüge dominiert seitdem unser Gefühl in Bezug auf Wasserstoff.

Auch von technisch orientierten Personen werden oft Horrorgeschichten über die Diffusionseigenschaften von Wasserstoff erzählt. Sicher, Wasserstoff diffundiert schneller durch poröses Material. Auch macht es hochfeste Stähle unter hohem Druck spröde, doch keine dieser Bedingungen trifft auf die vorhandene Infrastruktur der Mittel- u. Niederdruckleitungen zu. Die Leckrate aus undichten Gasleitungen wird bei Wasserstoff sogar kleiner sein als bei Erdgas. Die heutige Leckrate von 0,1% der transportierten Energie wird bei Wasserstoff sogar auf 0,04% sinken. Leckagen sind weder ein wirtschaftliches Problem noch ein Sicherheitsproblem. Das vorhandene Erdgasnetz ist also ohne grundlegende Modifikationen für Wasserstoff geeignet. Bei Zumischung von Wasserstoff zum Erdgas verändert sich geringfügig die Brennerleistung. Das Maß für die Brennerleistung gilt der Wobbe-Index. Dieser beträgt für Wasserstoff 13,5 kWh/m3. Da dieser Wert bei unseren Erdgasarten zwischen 10,5 und 15,7 kWh/m3 schwanken kann, muss der Gasdruckregler im allgemeinen nicht nachgestellt werden.

Wasserstoff in geschossenen Räumen ist fast genauso gefährlich wie Erdgas. Die bei einer Explosion freigesetzte Energie ist bei Wasserstoff zwar um 70% geringer, man sollte es aber nicht darauf ankommen lassen. Mit einem briefmarkengoßerm Stück von einer platinbeschichteten Elektrode aus einer Brennstoffzelle an der Kellerdecke kann man zudem Explosionen zuverlässig verhindern. Wasserstoff-Leckagen werden damit einfach weggeglüht.

Wasserstoff im Verkehr wird die Sicherheit erhöhen. Es ist kaum vorstellbar, dass dann noch jemand im Fahrzeug verbrennt. Eienen Vergleich von Wasserstoff und Benzin ist hier dokumentiet.  Auch die Explosionsgefahr ist bei Wasserstoff deutlich geringer als bei Benzin. Im Freien kann Wasserstoff nicht zur Explosion gebracht werden. Die plötzliche Freisetzung großer Wasserstoffmengen ist bei heutigen Drucktanks von 700 bar extrem unwahrscheinlich, weil diese Behälter fast unzerstörbar sind. Auch beim Abriss der Leitungen werden aus diesen Behältern keine Raketen. Durch den innenliegenden Druckminderer tritt der Wasserstoff nur ganz langsam aus und brennt mit fast unsichtbarer   Flamme ohne nenenswerte Wärmestrahlung ab.

Über Wasserstoff gäbe es noch viel zu sagen. Wichtig ist aber auch was Wasserstoff nicht ist:

Wasserstoff ist nicht giftig, ätzend, übel riechend, explosiv, wassergefährdend, schwer abbaubar, krebserregend, süchtig machend, radioaktiv, unbezahlbar, usw.

aktualisiert am 06.05.2011

Eine Nazi-Lüge ist die Grundlage unserer Ängste.

Wasserstoff im Verkehr ist sicherer als Benzin und Diesel.