Ein Ausweg aus der Öl-, Klima-, und Kostenfalle

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© Karl-Heinz Tetzlaff

Energieförderung am Wendepunkt

Die solare Wasserstoffwirtschaft mit Biomasse ist eine Strategie “weg vom Öl”. Das allein sollte Grund genug sein, dieser Systeminnovation den Weg zu ebnen. Die solare Wasserstoffwirtschaft ist ein geschlossenes neues Konzept einer nachhaltigen Energiewirtschaft. Es ist genau das, was die jeweilige Regierungsopposition stets anmahnt.

Die solare Wasserstoffwirtschaft ist aber nicht geeignet als zusätzliche Technologie in den Kanon der förderungswürdigen Energietechnologien aufgenommen zu werden. Die Förderung der Strom-Infrastruktur durch das EEG und die Förderung einer Wasserstoff-Infrastruktur schließen sich vielmehr gegenseitig aus. Es hat keinen Sinn, in eine Strom-Infrastruktur zu investieren, die man in einer Wasserstoffwelt nicht braucht. Die Energieförderung steht damit an einem Wendepunkt.

  • Weiter so wie bisher und das Strom-EEG bis an die Schmerzgrenze ausbauen
  • Strategischer Wechsel mit Aufbau einer Wasserstoff-Infrastruktur

Die “weiter so” Strategie wird uns nicht aus der Abhängigkeit vom Öl befreien, jedenfalls nicht in der gebotenen Geschwindigkeit. Die kostspieligen Maßnahmen zur Energie-Einsparung und die teure Einbindung Erneuerbarer Energien zur Stromerzeugung werden den Standort “D” für die Wirtschaft unattraktiver machen.

Ein strategischer Wechsel in der Energie-Förderpolitik hat nicht nur wirtschaftliche Vorteile, sondern eröffnet der Außenpolitik bisher nicht für möglich gehaltene Freiräume.

Bei diesem Richtungswechsel muss auch die bisherige Praxis der Förderung überdacht werden. Die aus der neoliberalen Wirtschaftsideologie abgeleitete Praxis, dass die Energiewirtschaft Technologien vorschlägt, die dann mit Hilfe des Staates mitfinanziert werden, kann so nicht bleiben. Es wäre auch irgendwie unmoralisch, von den Energiekonzernen Vorschläge zu erwarten, die ihren eigenen Untergang einläuten. Die Aufgabe der Wirtschaft ist es vielmehr, unter gegebenen Rahmenbedingungen Geld zu machen. Daran ist nichts Unmoralisches. Mit zusätzlichen Aufgaben wäre die Wirtschaft im internationalen Wettbewerb einfach überfordert.

Es ist die Regierung, die eine geschlossene Energie-Strategie für Wasserstoff erarbeiten muss. Nur sie ist auf das Gemeinwohl vereidigt. Diese Strategie sollte besonderen Wert auf die ersten Schritte legen, sie sind entscheidend. Den richtigen Türöffner zu finden ist nicht trivial. Es kommt darauf an, über die Markteintrittsbariere springen zu können. Die kann ziemlich hoch sein. Der Rest läuft bei funktionierendem Wettbewerb von alleine. Ein möglicher Türöffner besteht im Missbrauch des EEG

Es liegt in der Natur der solaren Wasserstoffwirtschaft, dass nicht alles mit “klein-klein” als Bastellösung begonnen werden kann. In dieser Hinsicht lassen sich mehrere Tätigkeitsfelder dieser Systeminnovation aufzählen.

  1. Landwirtschaftliche Erzeugung der Biomasse
  2. Optimierung von Vergasungstechnologien
  3. Management der Wasserstoff-Verteilung
  4. Förderung von Brennstoffzellen und deren Systemintegration
  5. Förderung von Wärmeerzeugungs-Technologien

Die Schritte 2. und 3. verlangen eine gewisse kritische Größe für einen erfolgreichen Einsatz. Das hat ein wenig Ähnlichkeit mit dem Beginn der Atomenergie, auch wenn die erforderliche Größe der Anstrengung hier einige Größenordnungen kleiner sein darf.

Der schwierigste Teil ist die Durchsetzung gegen den Widerstand der Energiewirtschaft. Möglicherweise ist auch eine Zerschlagung der Gasnetzmonopole zweckdienlich, was inzwischen von der EU-Kommissionen eingeleitet wurde. Hilfreich ist auch eine Rekommunalisierung der Gasversorgung.

Die Punkte 1. und 4.-5. können im üblichen Rahmen gefördert werden.

Für den Staat lohnt sich eine massive Förderung auf jeden Fall. Denn schon nach wenigen Jahren ist keine Förderung mehr notwendig. Der Energiesektor nebst prosperierender Wirtschaft wird eine sprudelnde Steuerquelle sein.

Alternativ kann der Staat auch mit Gesetzen arbeiten, die aufkommensneutral ausgestaltet werden können. Es kommt darauf an, eine klare Richtung vozugeben. Im Prinzip könnte auch eine Stadt, Kreis oder Land die Sache in die Hand nehmen und aus dieser Region ein Hydrogen-Valley machen, mit ähnlicher Prosperität wie das Silicon-Valley der Computer-Industrie. Es wäre sehr hilfreich, wenn sich das Kartellamt bei der Laufzeitbegrenzung der Liefervertäge zwischen Ferngasgesellschaften und Stadtwerken durchsetzen könnte, was inzwischen auch halb gelungen ist. Auch ein potenter Investor könnte die Lawine lostreten. Optimal wäre ein abgestimmtes Vorgehen in Europa. Anders als bei “moralisch gut gemeinten” Energieprojekten, ist es hier so, dass derjenige, der sich zuerst bewegt, den höchsten Gewinn einfahren wird.

Die solare Wasserstoffwirtschaft ist vor allem ein Friedensprogramm. Es ist eine Entscheidung zwischen Krieg und Frieden. Wir befinden uns erkennbar schon auf dem Kriegspfad. Unsere Soldaten geben ihr Blut für Öl auch am Hindukusch. Vielleicht gelingt uns noch die Umkehr vor einem finalen atomaren Ende. Frieden wird nicht durch Krieg gemacht. Frieden ist der Ernstfall. In ihm müssen wir uns bewähren.

Blumen statt Blut für Öl

Alle Energiepflanzen sind Blumen, aber nicht alle blühen so schön wie Sonnenblumen.

aktualisiert am 18.03.2010

Es gibt ein neues schlüssiges Energie-Konzept

Die Förderung Erneuerbarer Energien muss überdacht werden

Für den Aufbau einer Wasserstoff-Infrastruktur ist ein strategischer Wechsel erforderlich

Die Triade aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft braucht neue Regeln

Das gemeine Volk muss die Regierung an die Verpflichtung zum Gemeinwohl mit Nachdruck erinnern

Die Dressur der Energiewirtschaft ist am einfachsten durch Ignorieren zu lösen. Man braucht sie nicht

Wer bekommt den Zuschlag für ein Hydrogen-Valley?

Nicht der Krieg, der Frieden ist der Ernstfall, in dem wir uns zu bewähren haben

Gustav Heinemann (vonWilly Brandt in seiner Nobelpreisrede zitiert)

Lasst die Erde ergrünen