.Unter
Forst- und Landwirten besteht die wohlbegründete Furcht vor Ausbeutung durch Großunternehmen. Sie wollen bei der Vermarktung von Energie nicht nur Rohstofflieferanten sein, sondern sich an der ganzen
Wertschöpfungskette beteiligen. Deshalb werden alle Großstrukturen abgelehnt. Nur was ein Bauer auf seinem Hof selbst betreiben kann und selbst verkaufen kann, wird für gut befunden. Kleine Holzvergaser sind
daher in aller Munde. Solche sozialromantischen Bewegungen gab es in der Vergangenheit schon öfter. Am bekanntesten ist das chinesische Experiment von Mao Tse-tung “der Große Sprung nach vorn”. Aus Aversion
gegen alles Großindustrielle, sollten Millionen von Hochöfen das Land mit Eisen versorgen. Das Experiment hat mehr Tote zur Folge gehabt als die beiden letzten Weltkriege zusammen - auf beiden Seiten.
Es ist zu hoffen, dass die Landwirte nicht aus ideologischer Verblendung die großartige Zukunft der Landwirtschaft aufs Spiel setzen. Ökonomische Vernunft und engstirnige Ideologie sind selten
Geschwister. Auch wenn die Landwirte nicht Eigentümer der Wasserstofffabriken sind, liegen doch ca. 80% der Wertschöpfung bei ihnen. Auch arme Landwirte sind mächtig, wenn sie sich organisieren. Das
kann regional sein. Schon eine Organisation der Landwirte im Umkreis von 100 km hat beim Anlagenbetreiber schon ein gehöriges Maß an Mitsprache.
Andererseits ist es nicht zu viel verlangt, wenn die
Landwirte in einem Umkreis von ca. 10 km eine Genossenschaft gründen.
Die anteiligen Kosten für eine große Wasserstoff-Fabrik sind auch nicht höher als die Kosten für einen Kleinvergaser und bei einer Beteiligung von ca. 3000 €/ha durchaus finanzierbar. Dann können Sie 100% der Wertschöpfung für den Wasserstoff kontrollieren. Der Transport der Edelenergie “Wasserstoff” muss freilich über eine Großstruktur, dem Gasnetz, erfolgen. Das ist nicht anders als heute, wo die Kleinproduzenten auf das Stromnetz angewiesen sind. Das Stromnetz wird aber nicht als Großstruktur aufgefasst, sondern als von Gott gegeben. So gibt es viele “Öko-Experten”, die Wasserstoff rundheraus ablehnen, weil Wasserstoff über eine industrielle Infrastruktur verteilt werden muss, sehr zur Freude der etablierten Energiewirtschaft.
Natürlich ist es so, dass die Atomwirtschaft hofft, eines Tages, wenn die Wasserstoffwirtschaft nicht mehr zu verhindern ist, Wasserstoff aus Atomstrom herzustellen. Sie wird damit grandios scheitern,
weil Wasserstoff aus der Landwirtschaft billiger ist als Wasserstoff aus Atomstrom. Das gilt auch für abgeschriebene Kernkraftwerke. So wird die Landwirtschaft zum Totengräber der Atomwirtschaft.
Eine erfolgreiche solare Wasserstoffwirtschaft ist regional und dezentral. Man muss die Energiegewinnung von der Energienutzung unterscheiden.
Die erste Umwandlung, die man umgangssprachlich als Energiegewinnung bezeichnen könnte, erfolgt in industriellen Anlagen in der Region
bei einer Anlieferungsentfernung der Biomasse von 3 bis 15 km. Die letzte Umwandlung in Strom und Wärme erfolgt dezentral
mit einer Brennstoffzelle in jedem Haus, bzw. jedem Haushalt. Letztlich ist das Energiekonzept viel dezentraler als die heutigen Konzepte im Zusammenhang mit Erneuerbaren Energien.
Weil an jedem
Gasanschluss eine Brennstoffzelle installert wird, erhält man mehr Strom als man verwenden kann. Eine Wasserstoffwirtschaft ist daher eine wärmegeführte Energiewirtschaft, die prinzipiell keine Verluste
kennt. Das führt beinahe zu einer Verdreifachung der Energie-Effizienz und damit zu hohen Biomasse-Potenzialen und niedrigeren Energiepreisen.