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© Karl-Heinz Tetzlaff

Potential der Biomasse

Eine solare Wasserstoffwirtschaft ist ökonomisch nur dann sinnvoll, wenn das verfügbare Biomasse-Potential zusammen mit anderen Erneuerbaren Energien für eine größere Region annähernd 100% beträgt oder in absehbarer Zeit dieses Potential erreichen kann. Ein bisschen Wasserstoffwirtschaft innerhalb der bestehenden Infrastruktur ist unsinnig.

Mit der Produktion von Energie vom Acker und Herstellung von Bio-Wasserstoff werden die bäuerlichen Einkommen so steigen, dass eine Subventionierung der Landwirtschaft zur Existenzsicherung nicht länger notwendig ist. Damit kann die Überproduktion von Nahrungsmitteln beendet werden. Einzelheiten dazu und zu den Erträgen von Energiepflanzen finden Sie unter “Erträgen”. Zur Abschätzung des Potentials wird für die Europäische Union (EU-25) ein Selbstversorgungsgrad mit Nahrungsmitteln von 100% unterstellt. Das ist natürlich eine willkürliche Annahme. Ein Selbstversorgungsgrad von 90% wäre in unserer heutigen globalisierten Welt ökonomisch viel sinnvoller. Zucker könnte z. B. außerhalb Europas viel billiger produziert werden.

Da die Erträge für Nahrungsmittel und Energiepflanzen stetig wachsen werden, ergibt sich folgender zeitliche Verlauf von Anbauflächen und Energie:

 

2005

2020

2030

LF für Nahrungsmittel [Mio. ha]

11,77

8,74

6,46

LF für Energiepflanzen [Mio. ha]

10,27

13,27

15,55

Bio-Energie [PJ]

4628

11147

18069

Mit LF ist die kommerziell genutzte landwirtschaftliche Fläche mit Bezug auf Deutschland gemeint. Diese setzt sich zusammen aus 17,3 Mio. ha, die derzeit kommerziell genutzt werden und ca. 0,9 Mio. ha durch Rekultivierung von Sozialbrache. Durch den Beitritt der osteuropäischen Länder hat sich die durchschnittliche landwirtschaftliche Fläche je Einwohner von 0,2 ha um 23% erhöht. Das würde zum weiteren Anstieg der Nahrungsmittelproduktion um 23% führen. Es wird unterstellt, dass diese Überschusslasten solidarisch auf alle EU-Mitglieder verteilt werden. Damit hätte Deutschland ca. 3,8 Mio. ha überflüssige Fläche zu “übernehmen”. Mit “übernehmen” ist eine Abnahmeverpflichtung von einer entsprechenden Menge Bio-Wasserstoff gemeint. Auf Deutschland bezogen steht also eine landwirtschaftliche Fläche von ca. 22 Mio. ha für Nahrungsmittel und Energie zur Verfügung. Im zeitlichen Verlauf erkennt man, dass die benötigte Fläche für Nahrungsmittel immer kleiner, und die verfügbare Fläche für Energiepflanzen immer größer wird.

In den dargestellten Potentialen sind auch Effekte durch künstliche Bewässerung und Produktion von SCP eingerechnet, für 2030 jeweils mit einem Beitrag von 20%. Technisch und ökonomisch wäre ein weitaus höherer Anteil sinnvoll. Was die Bevölkerung letztlich akzeptiert, ist aber schwer abzuschätzen. Weitere Informationen zum Thema SCP finden Sie unter “Kleinst Tierzucht” im Untermenue.

Weil damit zu rechnen ist, dass die gemeinsame Agrarpolitik (GAP) in der EU auch für den Bereich Energie gelten wird, gilt diese Potentialabschätzung prinzipiell für jedes EU-Land. Die Verteilung von Wasserstoff-Überschüssen ist überdies viel leichter als die Verteilung von Nahrungsmitteln. Die transnationalen Rohrleitungen, die heutigen Erdgasleitungen, sind vorhanden. Die potentielle Transportkapazität ist größer als erforderlich, weil die Produktion und der Verbrauch von Bio-Wasserstoff eine überwiegend regionale Angelegenheit ist.

Unter sonstiger Biomasse in der obigen Abbildung sind landwirtschaftliche Abfälle, Holz und Müll zu verstehen. Grob gesagt sind das diejenigen Potentiale, die Experten aus der alten (Strom-)Energiewelt als Gesamtpotential von Biomasse nennen.

Wie zu erkennen ist, reicht das Potential von Biomasse für eine 100%-ige Energiewirtschaft auf Basis von Energiepflanzen aus, selbst wenn die Energiewirtschaft über Nacht auf Biomasse umgestellt würde. Längerfristig sehen wir uns mit einem deutlichen Energie- Überschussproblem konfrontiert. Daher sollten wir die Naturschutzgruppen im Lande ermuntern, mit ihren Bemühungen um Naturparks nicht nachzulassen. Falls ein Bedarf vorhanden ist, kann auch der weniger produktive Öko-Landbau ausgeweitet werden. An dieser Stelle ist anzumerken, dass mit dem Anbau von Energiepflanzen eine höhere Umweltqualität erreicht werden kann als mit Öko-Landbau.

Glücklicherweise können wir die Welt nicht mit billigem Bio-Wasserstoff überschwemmen, da die Transportkosten nach Übersee doch erheblich sind. Ein Export von Bio-Wasserstoff ist auch nicht nötig, denn die meisten Länder werden auch zu viel Bio-Wasserstoff haben.

Von interessierter Seite wird immer wieder ein Nutzungskonflickt zwischen der Nahrungsmittelproduktion und Energieproduktion mit Energiepflanzen konstruiert. Das trifft für Europa nicht zu.

Wenn die Preise von Milch- und Fleischprodukten plötzlich ansteigen, ist das eine Folge unseres jahrelangen Agrardumpings. Erst zerstören wir die Landwirtschaft durch billige Agrarexporte und nun, wenn die Schwellenländer (China. Indien) durch industrielle Produktion von Gebrauchsgegenständen zu Geld gekommen sind und damit hochwertige Nahrungsmittel einkaufen, schreien wir auf. Wir würden an ihrer Stelle doch genau so handeln, denn so billig können die Schwellenländer die Nahrungsmittel gar nicht produzieren wie wir sie, bedingt durch hohe Subventionen, abgeben können. Dass ärgerliche an der ganzen Sache ist, dass der Handel den Gewinn einsteckt, der durch unsere steuerfinanzierten Zahlungen an die Landwirtschaft entstanden ist.

All dies ändert nichts an der Tatsache, dass wir infolge stetig steigender Erträge bei Nahrungsmitteln immer mehr Ackerfläche für Energiepflanzen zur Verfügung haben werden, auf denen die Energierträge/ha stetig steigen werden. Daran ändern Spekulationsgeschäfte gar nichts.

aktualisiert am 01.08.2007

Die Installation einer solaren Wasserstoffwirtschaft mit Biomasse erfordert eine politische Grundsatzentscheidung

Die EU-Politik hat sich von einer Verwaltung des Mangels zu einer Verwaltung des Überflusses verändert. Mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Fläche wird in Zukunft nicht mehr für die Produktion von Nahrungsmitteln benötigt.

Das grüne Energiepotential ist deutlich größer als der Bedarf. Das gilt auf Grund der gewählten Berechnungsmethode prinzipiell für jedes europäische Land.

Das grüne Energiepotential ist auch weltweit größer als der Bedarf